Achtsamkeit

"Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es." - Nhat Hanh -



Achtsamkeit - Von der Ruhelosigkeit zur Ruhe

Glauben Sie nicht einfach, was Sie lesen. Ob es wahr ist oder nicht, können Sie nur herausbekommen, indem Sie damit experimentieren. Beenden Sie Ihre innere Debatte und stellen Sie das Gelesene auf den Prüfstand. Beim Weg der Achtsamkeit geht es nicht darum, irgendwelche Ansichten zu übernehmen; er ist der Weg der Experimente. Praktisch damit anfangen können Sie so:

Wenn Sie das nächst Mal beim Essen sitzen, sprechen Sie in den ersten fünfzehn Minuten mit niemandem. Sie reagieren einfach aktiv und bewusst auf das, was Sie essen, auf die Luft, die Sie atmen, und auf das Wasser, das Sie trinken.

Dieses Obst, dieses Ei, dieses Brot, dieses Gemüse - Ihre Nahrung, die selbst etwas Lebendiges ist, gibt sich völlig auf, um ein Teil von Ihnen zu werden. Nehmen Sie nach dem Essen die folgende simple Idee mit in den Tag, ohne den Satz auszusprechen: "Meine Verantwortlichkeit ist grenzenlos; wenn ich dazu bereit bin, kann ich auf alles bewusst reagieren." Seien Sie sich dieser Idee bewusst bis zum letzten Augenblick des Tages, bevor Sie einschlafen, und erinnern Sie sich daran als erstes, wenn Sie aufwachen.

Wenn Sie dieses Gewahrsein Ihrer grenzenlosen Natur nur eine einzige Minute aufrechterhalten, werden Sie eine gewaltige Transformation bewirken. Eine Minute kommt Ihnen vielleicht ganz leicht vor, aber Sie werden merken, dass Sie dazu ein wenig Übung brauchen. Eine einzige Minute kann Sie allerdings in eine andere Dimension der Erfahrung und Funktionalität führen. Momentan ist Ihr Gewahrsein sprunghaft; im einen Moment sind Sie sich der Dinge ringsum bewusst, und im nächsten sind Sie abgelenkt. Das ist in Ordnung so. Erinnern Sie sich einfach jede Stunde daran. Experimentieren Sie mit diesem Gewahrsein, lassen Sie zu, dass es sich vertieft, und achten Sie darauf, was dann geschieht.

Bewusstes Reagieren versetzt Sie in einen dauerhaften und tiefen Zustand der Verbundenheit mit dem Leben. Gemeint ist damit nicht eine Vorstellung oder Illusion, sondern das Leben, wie es wirklich ist. Indem Sie bereitwillig aktiv am Leben teilnehmen, werden Sie von ihm umarmt, und diese Umarmung führt Sie zum Ursprung der Schöpfung selbst.



Vielleicht ist es Ihnen bereits aufgefallen - wenn Sie sich wohlfühlen, wollen Sie sich ausdehnen, wenn Sie Angst haben, wollen Sie sich zusammenziehen. Versuchen Sie einmal folgendes: Setzten Sie sich einige Minuten vor eine Pflanze, zum Beispiel einen Baum. Erinnern Sie sich daran, dass Sie das einatmen, was der Baum ausatmet, und das ausatmen, was der Baum einatmet. Auch wenn das keine bewusste Erfahrung darstellt, können Sie so eine Verbindung zu diesem Baum herstellen. Sie können das mehrmals täglich wiederholen. Nach einigen Tagen werden Sie sich allmählich mit allem, was Sie umgibt, auf eine neue Weise verbinden. Das wird nicht auf einen einzelnen Baum begrenzt sein.



Beginnen Sie damit, vor dem Einschlafen allem Aufmerksamkeit zu schenken, was Sie für sich selbst halten: Ihre Gedanken und Emotionen, Ihre Haare, Ihre Haut, Ihre Kleider, Ihr Make-up. Seien Sie sich bewusst, dass nichts davon Sie sind. Es ist nicht notwendig, irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen, was "Sie" sind oder was die "Wahrheit" ist. Die Wahrheit ist keine Schlussfolgerung. Wenn Sie sich vor falschen Schlüssen hüten, wird die Wahrheit sich schon zeigen.

Wenn es Ihnen gelingt, mit diesem Bewusstsein einzuschlafen, hat das eine entscheidende Wirkung. Da Sie im Schlaf keine äußeren Eindrücke aufnehmen, wird es sich zu einer kraftvollen Erfahrung entwickeln. Im Lauf der Zeit werden Sie so in eine Dimension jenseits aller Ansammlungen eintreten.



Sehen Sie sich um. Können Sie an Ihren Familienmitgliedern, Kollegen und Freunden sehen, dass jeder ein unterschiedliches Wahrnehmungsniveau hat? Beachten Sie das einmal genau. Wenn Sie einige Leute kennen, die anscheinend über eine klarere Wahrnehmung verfügen als andere, dann beobachten Sie, wie sie mit Ihrem Körper umgehen. Oft haben sie ohne jede Übung eine sichere Körperhaltung.

Ein bisschen Übung kann erst recht eine Menge ausmachen. Wenn Sie nur ein paar Stunden täglich mit einer aufrechten Wirbelsäule dasitzen, werden Sie merken, dass das eine unverkennbare Wirkung auf Ihr Leben hat. Schon die Art der Körperhaltung bestimmt fast alles an Ihnen.

Eine andere Methode, dem Leben zuzuhören, besteht darin, das von der Erfahrung her zu tun statt intellektuell oder emotional. Wählen Sie dazu etwas an sich aus, zum Beispiel Ihren Atem, Ihren Herzschlag, Ihren Puls, einen Ihrer kleinen Finger. Schenken Sie dem einfach elf Minuten lang Ihre Aufmerksamkeit. Tun Sie das mindestens drei Mal täglich und achten Sie auf jede Empfindung. Sie können dabei aber gerne weiter das tun, womit Sie sich gerade beschäftigen. Es macht nichts, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit verlieren; konzentrieren Sie sich dann einfach von neuem. Durch diese Praxis wird Ihre mentale Wachheit in Bewusstsein übergehen, und Sie werden feststellen, dass sich die Qualität Ihrer Erfahrung allmählich verändert.



Setzen Sie sich in einer bequemen Haltung mit gerader Wirbelsäule hin. Falls nötig, können Sie sich dabei auch anlehnen. Bleiben Sie ruhig sitzen und lassen Sie Ihre Aufmerksamkeit ebenfalls allmählich ruhig werden. Wenn Sie das fünf bis sieben Minuten täglich machen, werden Sie merken, dass Ihr Atem sich verlangsamt. Diese Praxis führt allmählich zu einem vergrößerten Atemvolumen, hilft Ihnen jedoch vor allem dabei, eine bestimmte Harmonie und Leichtigkeit zu erreichen. Dann entwickelt sich ein Zustand der Stabilität, in dem keinerlei störendes Knistern und Rauschen mehr vorhanden ist und in dem Sie alles wahrnehmen.



Der Körper reagiert in dem Moment, in dem er in Berührung mit der Erde kommt. Dadurch wird der Körper auf spürbare Weise daran erinnert, dass er nur ein Teil der Erde ist. Dieser Kontakt mit der Erde verbindet den Körper intensiv mit seinem physischen Ursprung, was seine Stabilität wieder herstellt und die menschliche Regenerationsfähigkeit erheblich stärkt. Das erklärt, warum so viele Menschen sagen, Ihr Leben habe sich auf geradezu magische Weise verändert, als sie mit einer schlichten Aktivität im Freien wie beispielsweise Gärtnern begonnen haben.

Durch die vielen künstlichen Methoden, mit denen wir heute Abstand zwischen uns und der Erde schaffen - wie etwa durch das Straßenpflaster, durch Hochhäuser oder auch nur die weit verbreitete Mode, hochhackige Schuhe zu tragen -, wird der Teil vom Ganzen entfremdet und der fundamentale Lebensprozess erstickt. Diese Entfremdung zeigt sich in den Autoimmunkrankheiten und chronischen Allergien, die heute grassieren.

Wenn Sie dazu neigen, rasch krank zu werden, könnten Sie einmal versuchen, auf dem Boden zu schlafen (oder mit einer minimalen organischen Trennschicht zwischen Ihnen und dem Boden). Sie werden sehen, welch großen Unterschied das macht. Versuchen Sie außerdem, näher am Boden zu sitzen. Und wenn Sie einen Baum finden, der eine besonders vitalen Eindruck auf Sie macht, etwa weil er viele frische Blätter oder Blüten hat, können Sie ein bisschen Zeit in seiner Nähe verbringen. Nehmen Sie falls möglich, Ihr Frühstück oder Mittagessen darunter ein. Sie werden feststellen, dass sich die Fähigkeit Ihres Körpers zu genesen dadurch stark verbessert.

Falls ihr alle eure Bäume in Möbel verwandelt habt, können Sie draußen ein wenig frische Erde sammeln und damit Ihre Füße und Hände einreiben. Halten Sie sie danach für zwanzig bis dreißig Minuten mit der Erde bedeckt. Auch das kann Ihre Gesundung erheblich fördern.